Sommerschule 2017

Deutscher Akademischer Austauschdienst,

Fachbereich für Russische und Internationale Geschichte,

 Institut für Eurasienforschung der Staatlichen Universität des Südurals,

Süduralisches Institut für Verwaltung und Wirtschaft,

 Staatliches Geschichtsmuseum des Südurals und

Hauptarchiv des Tscheljabinsker Gebiets

veranstalten

die  V. Internationale Sommerschule für russische und deutsche Studierende 

„Eurasien in Bewegung: Migrationsprozesse aus historischer Perspektive“ 

Kursdauer/ Bewerbungsschluss

14 Tage (14. – 27. August 2017)

Anmeldeschluss VERLAENGERT: 30. Mai 2017

Anreise der Teilnehmer: 13. August 2017

Abreise der Teilnehmer: 28. August 2017

Zielgruppe

Studierende der Geschichtswissenschaften; Studierende der Sozialwissenschaften und der Politikwissenschaft; Studierende der Kulturwissenschaften und Ethnologie

Voraussetzungen

Forschungsinteresse bzw. Forschungsprojekt der Studierenden; wissenschaftliche Eignung; Grundkenntnisse der russischen Sprache erwünscht sind

 Bewerbungsunterlagen für Teilnahme

Lebenslauf

Fragebogen (siehe unten)

Kopie des Reisepasses

Exposé des eigenen Projekts (falls das eigene Projekt im Laufe der Sommerschule vorgestellt werden soll)

 Teilnehmerzahl

Maximum: 10

 Kosten

Die Kosten für die Teilnahme an der Sommerschule belaufen sich auf 620 Euro und decken den Transfer vom Flughafen, Sprachkurse, Vorlesungen, Seminare und Workshops wie auch ein umfassendes Exkursionsprogramm (Stadtführungen, Museen und Gemäldegalerie, thematische Exkursionen), sowie das Übungsbuch der Sommerschule). Diese Summe umfasst nicht die Kosten für die Anreise, Versicherung, Visabeschaffung und Verpflegung.

Visum

Die Teilnehmer, die den Auswahlprozess erfolgreich durchlaufen haben, erhalten eine offizielle Einladung, mit der sie ein Visum bei den russischen Vertretungen in Deutschland beantragen können.

 Unterkunft und Verpflegung

Die Teilnehmer der Sommerschule werden im Studentenwohnheim (im Zentrum, neben dem Unihauptgebaeude). Die Verpflegung kann nach eigenem Geschmack organisiert werden. Dafür verfügt die Universität über zahlreiche Cafes und Mensen. Vegetarische Kost ist in jedem Menü vorgesehen. Die täglichen Ausgaben werden maximal 10-15 Euro ausmachen.

 Veranstaltungssprachen

Deutsch, Englisch, Russisch

Beschreibung zum Inhalt und zum Ablauf der Sommerschule 

Sprachkurs

Der Fokus des Sprachkurses liegt auf Sprachpraxis und fachgebundener Lexika. Der Sprachunterricht dauert täglich 1,5 Stunden.

 

 Fachkurs

 Eines der kennzeichnenden Charakteristika der letzten Jahre war und ist die globale „Flüchtlingskrise“, die die Aktualität existierender Strategien, die Effektivität ausgearbeiteter Programme und Normen des Völkerrechts und die Fähigkeit staatlicher Akteure mit Krisen umzugehen radikal in Frage stellte. Die aktuellen Probleme mit Migrationsbewegungen haben zu einer Renaissance historischer Expertise im Umgang mit Aus- und Einwanderung geführt. In diesem Zuge ist ein Defizit in der Kenntnis von Migrationsprozessen in der Geschichte offenbar geworden. Ziel dieser internationalen Sommerschule ist es, ein Diskussionsforum für aktuelle Fragestellungen der Erforschung von Migrationsprozessen im eurasischen Raum, der in den letzten Jahrhunderten eine Art Transitzone für transnationale und transkontinentale Migration war, zu schaffen.

Im Zentrum des „aerodynamischen Rohres der Völker“ (L.Gumilev) spielte der Südural eine wichtige Rolle in der Koordination und Kontrolle von Migrationsströmen im späten Russischen Reich und in der Sowjetunion, d.h. der Südural war eine „erfahrene Versuchsregion“ (R.G. Kuzeev) für die Nationalitäten- und die Kulturpolitik sowie für die administrative Gliederung der russischen Monarchie und später auch der UdSSR. In Tscheljabinsk gab zu Beginn des 20. Jahrhunderts das größte Durchgangslager für Umsiedler im Land. Der Bahnhof der Stadt diente gar bis in die 1960er Jahre als Hauptverkehrsknoten der Transibirischen Eisenbahn, über die nicht nur Arbeitsmigration oder Umsiedlungen, sondern auch Evakuierungen und Deportationen zwischen dem europäischen Landesteil und Sibirien, Zentralasien und dem fernen Osten stattfanden.

Die fünfte internationale Sommerschule wird sich Migrationsmanagement in transkontinentalen und transnationalen Kontexten in der historischen Retrospektive widmen. Als konkretes Beispiel soll dazu der Südural und im Besonderen die Steuerung der Migrations-bewegungen am Knotenpunkt Tscheljabinsk dienen. Im Zuge von Vorlesungen und Seminaren, ebenso wie eigenständiger Projektarbeiten sollen die TeilnehmerInnen einerseits den Zustand der Migrationsforschungen kennen lernen, eine Vorstellung über die russischen Erfahrungen mit der Lenkung von „Migrationswellen“ bekommen und andererseits mit dem Aufbau und der Funktionsweise von Durchgangslagern für Migranten vertraut werden. Dabei geht es nicht zuletzt auch um die Disziplinierung und soziale Versorgung von Migrierenden sowie um Konflikte untereinander als auch mit der örtlichen Bevölkerung.

Zur Teilnahme an der Sommerschule sind Bachelor-Studierende ab dem vierten Semester und Masterstudierende eingeladen. Die Besucher der Sommerschule stellen ihre Projekte vor und diskutieren diese mit den anderen TeilnehmerInnen und ProfessorInnen. Die Sommerschule besteht aus drei thematischen Modulen, in denen jeweils unterschiedliche Methoden der Wissensvermittlung und verschiedene Arbeitstechniken vorgestellt werden.

 

Modul I: Migrationsströme im Ural: Methodische Ansätze und historische Blickwinkel

Im Rahmen der Vorlesungen und praktischen Unterrichtsstunden dieses Moduls lernen die TeilnehmerInnen die aktuellen wissenschaftlichen Diskurse der letzten Jahre kennen. Im Kern geht es hierbei um die auf die genauere Erforschung schwieriger Interaktionen zwischen politischen, technischen und symbolischen Praktiken im Prozess der Umsiedlung von Menschen in geografischen, sozialen und kulturellen Räumen und damit verbunden notwendigerweise auch um die Formierung neuer Subjektivitäten, Identitäten und sozialen Horizonte. Die neuesten Arbeiten, die Migrationsregime im eurasischen Raum untersuchen (in diesem Fall in Räumen der sich gegenseitig austauschenden multiethnischen und multinationalen Regionen des Russischen Reiches, der Sowjetunion und des postsowjetischen Russlands), benutzen eine sehr ausgedehnte Konzeption des Transnationalismus, die allerdings bis dahin eher auf der Ebene dezidiert zwischennationaler Migration Anwendung gefunden hat (L-P. Moch, L. Siegelbaum).

Die Aktualität interdisziplinärer Ansätze zur Erforschung von Migrationsprozessen, neben einem rein wissenschaftlichen Interesse, ergibt sich aus der derzeitigen Problematik und der unbedingten Notwendigkeit analytische Instrumente zu finden, die „Kulturmigration“, Interaktionen zwischen Diasporen und konfliktreiche Bewegungen von Menschenmassen zu interpretieren erlauben. In diesem Sinne befähigt die Kenntnis langfristiger Entwicklungstrends von Migrationsströmen und Migrationsregimen auf historischer Grundlage die heutigen Problemfelder, die mit dem Phänomen „Massenmigration“ verbunden sind, besser zu verstehen und deuten zu können-

Modul II: Migrationsregime und Migrationsmanagement: Logistik, Steuerung und Kontrolle

Tscheljabinsk, das in verschiedenen Jahrhunderten ein zentraler Transitpunkt war, illustriert wie kaum ein anderer Ort die Formierung russischer bzw. sowjetischer Konzeptionen und Praktiken des Migrationsmanagements, ihre Entwicklung und ihre Wendungen. Insbesondere über Tscheljabinsk kamen Bauern, die den Ural und Sibirien für sich erschlossen ebenso wie diejenigen, die im Zuge der Regierungszeit Pjotr Stolypins in Sibirien aberhunderte neue Dörfer und Siedlungen gründeten. Auch in den Evakuierungs- und Fluchtbewegungen des Ersten und Zweiten Weltkriegs war Tscheljabinsk ein Angelpunkt und spielte so eine herausgehobene Rolle. 

Da Russland im postsowjetischen Raum, den Entwicklungen der letzten Jahre folgend, als ein Magnet für Migranten aus den ehemaligen Sowjetrepubliken fungiert, bleibt Tscheljabinsk der Charakter eines typischen Transitpunkts für Migration erhalten. Jedes Jahr passieren mehrere tausend Menschen aus den Republiken der ehemaligen UdSSR die Grenzen Russlands auf der Suche nach Arbeit. Auch das Grenzgebiet mit Kasachstan im Süden der Region Tscheljabinsk ist davon nicht ausgenommen. Des Weiteren führen bewaffnete Konflikte in Anrainerstaaten, an denen die Russische Föderation sich außenpolitisch aktiv beteiligt, zu einer deutlichen Steigerung der Flüchtlingszahlen, die zur Folge haben, dass auch mehr und mehr Menschen in Tscheljabinsk stranden. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit eine gesetzgeberische Basis für Steuerung und Kontrolle von Migranten (Migrationsgesetze) zu entwickeln.

Die Arbeit mit Archivmaterialien und aktuellen Dokumenten gibt den TeilnehmerInnen die Möglichkeit die Spezifika und den Grad der Effektivität des russischen bzw. sowjetischen Migrationsmanagement herauszuarbeiten und vergleichend zu analysieren.

Modul III: Gemeinschaften in Bewegung: Probleme der Selbstwahrnehmung und Repräsentation widmet sich dem Phänomen der Migration als einer anthropologischen Konstante. Die Geschichte von Migrationsregimen aus der Sichtweise „von oben“ wird ergänzt durch einen Blick „von unten“: Wie wird Migration und ihre Organisation von den Migrierenden selbst wahrgenommen und welche Strategien verfolgen sie um ihre Pläne zu realisieren? Welche Erfahrungen der Zusammenarbeit oder der Widerstände haben sie mit Migrationsbehörden gemacht?

Unter der Dominanz makrohistorischer Perspektiven fällt es den traditionellen migrations studies immer schwerer migrationstheoretische Zusammenhänge zu erfassen. Zum einen gibt es eine verabsolutierte Trennung in „freiwillige“ und „unfreiwillige“ Migration. Zum anderen führt die Verengung der analytischen Reichweite von der Marko- zur Mikroebene in Verbindung mit der Ausblendung von Zwischenstadien zu einem einfachen Konglomerat völlig gegensätzlicher Modelle zur Interpretation von Migrationsprozessen auch im (post)sowjetischen Kontext. Ein Ansatz, der menschliche Praktiken, Handlungen und Wahrnehmungen in den Mittelpunkt stellt, kann für eine Erklärung taugen, warum ein und dasselbe Territorium zum Ort für die Überschneidung sozialer Räume als Konstruktionen ihrer (zeitlich begrenzten) Bewohner werden kann.

Unter dem Eindruck umfangreicher und erfolgreicher praktischer Erfahrungen folgt die Tscheljabinsker Sommerschule dem Primat interaktiver und offener Lehrmethoden. Die Organisatoren stellen sich die Aufgabe, die Sommerschule in eine Diskussionsplattform für aktuelle wissenschaftliche Probleme zu verwandeln. Die TeilnehmerInnen der Sommerschule werden im Staatlichen Archiv des Tscheljabinsker Gebiets mit Sammlungen zur Geschichte des örtlichen Durchgangslagers im 19. und 20. Jahrhundert arbeiten. Dadurch lernen sie auch die Besonderheiten der Materialsuche in regionalen Archiven, der Sortierung der Bestände und der Aufbewahrung der Dokumente kennen. Die Arbeit wird in Kleingruppen organisiert sein, wobei selbstständig erarbeitete Forschungsvorhaben und Projekte im Vordergrund stehen, die von den Veranstalterinnen und Veranstaltern unterstützt werden. Die Kooperation zwischen den russischen und den aus dem Ausland angereisten Studierenden wird angeregt und unterstützt werden. Die teilnehmenden Studierenden bilden Arbeitsgruppen (drei bis vier Personen pro Gruppe) und entwickeln ein gemeinsames Forschungsprojekt, das sie am Ende der Sommerschule in einem eintägigen Abschlussworkshop vorstellen. Alternativ besteht die Möglichkeit, ein individuelles wissenschaftliches Projekt zu bearbeiten, das thematisch in den Rahmen der Sommerschule passt. Die Studierenden können dabei auf reichhaltige, historiographische Quellen (Archive, Zeitzeugengespräche, Museumsausstellungen) zurückgreifen.

In einem umfangreichen kulturellen Rahmenprogramm können die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Sommerschule die Stadt Tscheljabinsk erkunden, ihre verschiedenen Museen besichtigen, einige Nachbarstädte und Dörfer der Umgebung besuchen und auf einer Exkursion die Landschaft des Südurals erkunden.

               Kontakt

Dr. Olga Nikonova

Lehrstuhl fuer russiche und auslaendische Geschichte (susu.ac.ru),

Tel. +7 (922)2314892

 

Email:    Этот адрес электронной почты защищен от спам-ботов. У вас должен быть включен JavaScript для просмотра.  

Fragebogen 

 

 

Авторизуйтесь, чтобы получить возможность оставлять комментарии