SOMMERSCHULE-2013

Anmeldeschluss wurde auf den 25. Mai verlegt! Es gibt noch eine Chance, sich zu bewerben! 

Zentrum für Kulturgeschichte der Süduralischen Staatlichen Universität Tscheljabinsk (Russland)

zusammen mit dem Staatlichen Archiv des Tscheljabinsker Gebiets, dem Tscheljabinsker Heimatmuseum und der Süduralischen Hochschule für Verwaltung und Wirtschaft

 

veranstaltet die

 

Internationale Sommerschule „Erfahrungen des Ersten Weltkrieges in Deutschland und Russland: Erinnerungspolitik und kollektives Gedächtnis“

 

(26. August – 8. September 2013)

 

 

Kontakt

Dr. Olga Nikonova

Zentrum für Kulturgeschichte,

Süduralische Staatliche Universität Tscheljabinsk

ul. Elektrostal’skaja, 47-a, 315, Tscheljabinsk, 454047, Russland

Tel. +7 (922)2314892

Fax: +7 (351) 282-01-05

Email:  Этот адрес электронной почты защищен от спам-ботов. У вас должен быть включен JavaScript для просмотра.

 

Kursdauer/ Bewerbungsschluss

14 Tage (26. August – 08. September 2013)

Anmeldeschluss: 25. Mai 2013

Anreise der Teilnehmer: 25. August 2013

Abreise der Teilnehmer: 09. September 2013

 

Voraussetzungen

Voraussetzung für die erfolgreiche Teilnahme an der Sommerschule sind Kenntnisse der russischen Sprache und der deutschen und russischen Geschichte. Ein Teil der angebotenen Veranstaltungen wird auf Deutsch und Englisch ablaufen, die praxisorientierten Veranstaltungen im Archiv und im Museum sowie die Exkursionen werden auf Russisch stattfinden (für die Verständnishilfe werden immer englisch- und deutschsprachige Dozenten zur Verfügung stehen).

 

Bewerbungsunterlagen für Teilnahme

Lebenslauf

Fragebogen (siehe unten)

Kopie des Reisepasses

Exposé des eigenen Projekts (falls das eigene Projekt im Laufe der Sommerschule vorgestellt werden soll)

 

Teilnehmerzahl

Minimum: 10

Maximum: 12

 

Kosten

Die Kosten für die Teilnahme an der Sommerschule belaufen sich auf 601 Euro und decken den Transfer vom Flughafen, Unterkunft, Sprachkurse, Vorlesungen, Seminare und Workshops wie auch ein umfassendes Exkursionsprogramm (Stadtführungen, Museen und Gemäldegalerie, thematische Exkursion „Russische Kriegsmemoriale im Südural“), sowie das Übungsbuch und die DVD mit den Materialien der Sommerschule). Diese Summe umfasst nicht die Kosten für die Anreise, Versicherung, Visabeschaffung und Verpflegung.

 

Visum

Die Teilnehmer, die den Auswahlprozess erfolgreich durchlaufen haben, erhalten eine offizielle Einladung vom Zentrum für Kulturgeschichte, mit der sie ein Visum bei den russischen Vertretungen in Deutschland beantragen können.

 

Unterkunft und Verpflegung

Die Teilnehmer der Sommerschule werden im Gästehaus der Universität in Doppelzimmern untergebracht. Die Sprachkurse und Seminare finden im Hauptgebäude der Universität statt, das 5 Minuten vom Gästehaus entfernt ist. Die Verpflegung kann nach eigenem Geschmack organisiert werden. Dafür verfügt die Universität über zahlreiche Cafes und Mensen. Vegetarische Kost ist in jedem Menü vorgesehen. Die täglichen Ausgaben werden maximal 10–15 Euro ausmachen.

 

Veranstaltungssprachen

Russisch, Deutsch, Englisch

 

Kurzbeschreibung zum Inhalt und zum Ablauf der Sommerschule

 

Sprachkurs

Ein fortgeschrittener Sprachkurs wird angeboten. Der Fokus des Sprachkurses liegt auf Sprachpraxis und fachgebundener Lexika. Der Sprachunterricht dauert täglich 2–3 Stunden.

 

Fachkurs

 

Im Vorfeld des hundertjährigen Jubiläums zum Ersten Weltkrieg belebten sich erneut die Diskussionen um die aktuellsten Probleme seiner Geschichte. Einen Höhepunkt erfahren internationale wissenschaftliche und populärwissenschaftliche Projekte, die versuchen, der Öffentlichkeit den aktuellen Stand der Forschung und der Kenntnisse über die „Urkatastrophe des XX Jahrhunderts“ (G.Kennan) zu präsentieren (zum Beispiels das Projekt „Russia's Great War and Revolution, 1914-1922: The Centennial Reappraisal“ der University of Kansas oder das Projekt der Humboldt Universität „1914-1918: online“ zur Herausgabe eines Internet-Lexikons zum Ersten Weltkrieg).

 

Die neue Sommerschule des Tscheljabinsker Zentrums für Kulturgeschichte widmet sich dem Vergleich von Erinnerungspolitik und kollektivem Gedächtnis zum Ersten Weltkrieg in Deutschland und Russland und der Rolle der Kriegserfahrung bei der Formierung nationaler Identität und politischer Praktiken in der Zwischenkriegszeit.

 

Der Einfluss, den der Erste Weltkrieg auf die Entwicklung der europäischen Staaten im 20. Jahrhundert hatte, wird von den meisten historischen Forschungen zu dieser Thematik herausgestellt. Ein zentrales Problem der internationalen Geschichtsschreibung des Krieges ist die Erforschung von Aspekten, die außerhalb der bloßen Ereignisgeschichte liegen. Den Krieg darf man nicht nur als bewaffneten Konflikt verstehen, sondern auch als kompliziertes kommunikatives Phänomen, das Einfluss auf den historischen Prozess und auf die Entwicklung der Kultur im Allgemeinen hatte. Besondere Aufmerksamkeit sollte man der Instrumentalisierung der Kriegserfahrung widmen, die auf vielen Wegen über alle Strukturen der Kultur einer bestimmten Gesellschaft stattfand, die die Schaffung nationaler Mythen initiierte oder beschleunigte, die die Formierung nationaler Identität beeinflusste und die sich in Wissenschaft, Kunst, politischer Kultur und öffentlicher Meinung zeigte. Einen solchen Ansatz legten viele bekannte deutsche Forscher zum Ersten Weltkrieg ihren Arbeiten zugrunde, so z.B. D.Beyrau, G.Krumeich, D.Langewiesche, H.-P.Ulmann, G.Hirschfeld, R.Bendick u.a.

 

Wenn man den methodologischen Ansatz der Kulturgeschichte anwendet, so kann man noch einen weiteren Aspekt des Krieges erkennen: Der Krieg wird als Extremsituation untersucht, die integrative Prozesse im Bewusstsein einer Nation und die Herstellung von identitätsstiftenden Deutungs- und Handlungsmustern stimulierte. Als Resultat der „Instrumentalisierung“ der Kriegserfahrung konnten sich Überlebensstrategien zu „Schlachtmythen“ entwickeln und große Katastrophen sich in grundlegende symbolische Identitätskonstruktionen verwandeln. So ist zum Beispiel für Deutschland schon die Mythologie gut untersucht, die sich um die Bedingungen der Westfront rankte (zum Beispiel die Legende der furchtlosen Reservisten von Langemark), und für Russland wurde die Brusilov-Offensive als Objekt der Mythologisierung in den Blick genommen.

 

In einer ziemlich dichten Forschungslandschaft, die aus vielzähligen vergleichenden Arbeiten zur Entwicklung der europäischen Kultur und der europäischen Nationen unter dem Einfluss des Krieges besteht, stellen Russland und vor allem die Ostfront insgesamt noch immer einen weißen Fleck dar. Die These vom Ersten Weltkrieg als „vergessene Tragödie“, sowie die „Geschlossenheit“ der russischen Archive, die lange für ausländische Forscher unzugänglich waren, verhinderten es, dass die russische Kriegserfahrung in die Ergebnisse der internationalen Geschichtsschreibung aufgenommen wurde. In den vergangenen zwanzig Jahren ist eine Reihe von Arbeiten entstanden, die die Soldatenmentalität und die Erfahrung der Schützengräben sowie die politische und die künstlerische Kultur in Russland während des Ersten Weltkrieges problematisieren und die grundsätzliche Fragen der Erinnerungsforschung von Krieg im russischen Kulturraum konzipieren (so zum Beispiel die Arbeiten von H.Jahn, B.Kolonickij, D.Beyrau, I.Narskij, O.Porschneva, D.Orlovski, S.Malyscheva, K.Petrone u.a.). In den letzten Jahren erforschten russische Historiker aktiv das Vermächtnis der russischen Kriegsemigration.

 

Komparative Forschung zur Erinnerungspolitik und zum Gedächtnis an den Ersten Weltkrieg in Russland und Deutschland eröffnet neue Perspektiven, um den Einfluss zu verstehen, den die Ereignisse der Jahre von 1914 bis 1918 auf das Entstehen der beiden großen Diktaturen des 20. Jahrhunderts hatten. Als Rahmen für eine solche Herangehensweise an die zentralen Problematiken der Sommerschule eignet sich eine Reihe von allgemeinen Momenten, die die Herausbildung von Erinnerungspraktiken beeinflussten, so zum Beispiel die Notwendigkeit, sich die Kriegserfahrung und die politische Niederlage anzueignen und auch der Wechsel des politischen Regimes als Folge des Krieges und der aktive Austausch von Kriegs- und Politikerfahrung zwischen den beiden Staaten in den Zwischenkriegsjahren.

 

Die grundsätzlichen Fragen, um die sich die Arbeit der Sommerschule drehen wird, sind die folgenden: Aneignung und Verwendung der Kriegserfahrung durch Staat und Gesellschaft als Model der Kontrolle und Disziplinierung von einzelnen Gruppen und der Gesellschaft insgesamt, unter anderem durch Zensur der Kriegserlebnisse und –erinnerungen; Erinnerungspraktiken und –strategieen zur Erfahrung des Ersten Weltkrieges und Anteil des kulturellen Gedächtnisses bei der Formation nationaler Identität; Instrumentalisierung des kollektiven Gedächtnisses des Krieges für militärische und politische Ziele, so in den großen totalitären Regimen des 20. Jahrhunderts (Nationalsozialismus und Stalinismus). Der Vergleich von Erinnerungsprozessen in Deutschland und Russland erlaubt es, Schlussfolgerungen zu ziehen über das Gemeinsame und das Besondere der Erinnerungspraktiken zum Ersten Weltkrieg in den Ländern, die eine Niederlage erlitten haben, und der Instrumentalisierung der Kriegserfahrung in den Staaten, die das Entstehen und Gedeihen totalitärer Regime erfuhren.

 

Zur Teilnahme an der Sommerschule sind Studenten eines Masterstudienganges in deutscher und russischer Geschichte eingeladen, die sich für die Thematik der Weltkriege, für Erinnerung und für vergleichende Forschung interessieren. Interessierte sollen die Möglichkeit bekommen, ihr wissenschaftliches Abschlussprojekt mit Lehrenden und Teilnehmern der Sommerschule zu diskutieren, falls es thematisch in den Rahmen der Sommerschule passt.

 

Die Arbeit der Sommerschule wird in drei Themekomplexen organisiert.

 

Erster Themenkomplex – “Gedächtnis und Kriegserfahrungen: methodische Ansätze, aktuelle Forschungslandschaft”.Die Teilnehmer besuchen zunächst einige Vorträge zur Konzeptualisierung von Krieg, Kriegserfahrungen und kollektivem/kulturellem Gedächtnis und zur methodischen Untersuchung dieser Phänomene. Innerhalb dieses Themenkomplexes werden auch Perspektiven und Grenzen der vergleichenden Forschung zum Ersten Weltkrieg thematisiert. Die Teilnehmer haben die Möglichkeit, sich mit dem aktuellen Stand der Forschung zur Geschichte der Ostfront und Russlands in den Jahren 1914 bis 1918 vertraut zu machen.

 

Zweiter Themenkomplex – „Front und Heimatfront: Kriegserfahrungen und ihre Aufarbeitung in der Nachkriegszeit“. Hier widmen sich die Teilnehmer den Besonderheiten der Front- und Schützengrabenerfahrung, der Erinnerung daran und den Praktiken der Instrumentalisierung von Erinnerung an die Ereignisse der Jahre 1914 bis 1918. Innerhalb dieses Themenkomplexes können die Teilnehmer neben Vorlesungen zur Kriegserfahrung und zur Erinnerung in beiden Ländern mit dokumentarischen Texten arbeiten (zum Beispiel mit Soldatenbriefen, Memoiren, literarischen Werken), die die Erfahrung und die Besonderheiten des Ersten Weltkrieges in den verschiedenen sozialen Gruppen in Deutschland und Russland deutlich machen.

 

Dritter Themenkomplex – „Visualisierung des Gedächtnisses des Ersten Weltkrieges“. Dieser Themenkomplex beinhaltet Fragen zu visuellen Strategien der Darstellung von Fronterfahrung (Fotografie, Wochenschauen, Denkmäler, Kriegsfriedhöfe u.a.), zur Mythologisierung der Kriegsereignisse in Symbolen und Erinnerungskomplexen sowie zur Transformation der Erinnerung an den Krieg im dokumentarischen und künstlerischen Nachkriegskino.

 

Die Tscheljabinsker Sommerschule orientiert sich wie schon 2012 an interaktiven Lehrmethoden und ermöglicht es den Teilnehmern, sich mit der Arbeit in russischen Archiven vertraut zu machen. Die Teilnehmer bekommen die Möglichkeit, Archivmaterialien zum Ersten Weltkrieg wie auch Materialien in deutscher und englischer Sprache (Forschungsarbeiten und Übersetzungen russischer Quellen) und visuelle Quellen zu untersuchen. Am ersten Tag der Sommerschule erhalten die Teilnehmer ein elektronisches Handbuch (Reader) zu den dargestellten Thematiken.

 

Die Besonderheit der neuen Sommerschule wird sein, dass ein Diskussionsforum auf der Homepage des Zentrums organisiert wird, auf der die Teilnehmer Materialien, Ideen und Kommentare zu Thematiken der Sommerschule austauschen können. In den ersten Tagen der Sommerschule können die Teilnehmer kleine Arbeitsgruppen bilden (3-4 Teilnehmer pro Gruppe), um ein Essay zu einer bestimmten Thematik der Sommerschule zu verfassen (eine alternative Möglichkeit ist es, ein wissenschaftliches Projekt vorzustellen, soweit es thematisch zum Rahmen der Sommerschule passt). Die Essay-Themen werden am ersten Arbeitstag zur Diskussion und zur Auswahl gestellt. Zum Abschluss der Sommerschule wird ein eintägiger Workshop organisiert, auf dem die Teilnehmer der Sommerschule ihre Essays präsentieren. Interessierte können auch nach der Beendigung der Sommerschule an einer Sitzung des internationalen Internet-Seminars zur russischen Geschichte teilnehmen, das eine feste Institution des Zentrums für kulturgeschichtliche Forschungen in Zusammenarbeit mit der Universität Basel ist.

 

Kulturprogramm

In einem umfangreichen kulturellen Rahmenprogramm können die Teilnehmer das wunderschöne Natur des Südurals genießen, auf verschiedenen Exkursionen die Stadt erkunden, das regionale Heimatmuseum und das Universitätsmuseum anschauen, kulturelle Veranstaltungen besuchen, die zum Tag der Stadt organisiert werden (Umzug der Jugend, Treffen mit Veteranen, Modeschauen, Konzerte, Feuerwerk). Das Kulturprogramm der Sommerschule wird 2013 noch erweitert. Zusätzlich zu den genannten Veranstaltungen können die Teilnehmer auch an der Exkursion zum Thema „Russische Kriegsdenkmäler im Südural“ teilnehmen.

 

Veranstalter

Das Zentrum für Kulturgeschichte der Süduralischen Staatlichen Universität verfügt über viel Erfahrung in der regelmäßigen Durchführung von internationalen wissenschaftlichen Konferenzen in Tscheljabinsk und Moskau, auf denen aktuelle Themen zur russischen Wissenschaft und Gesellschaft diskutiert werden, sowie von Seminaren und Meisterklassen für Studenten. Einige der letzten großen Veranstaltungen in diesem Rahmen waren Konferenzen, die sich mit dem historischen Gedächtnis, der Kriegserfahrung des 20. Jahrhunderts und der Rolle visueller Bilder und Gerüchte in der Neueren und Neusten Geschichte befassten. Diese Foren fanden spürbare Resonanz in den Medien und in der wissenschaftlichen Öffentlichkeit, und ihre Ergebnisse wurden in thematischen Sammelbänden veröffentlicht, die auch Eingang fanden in die größten öffentlichen Büchereien und Universitätsbibliotheken der Welt.

Das Zentrum kann erfolgreiche Projekte aufweisen, die es gemeinsam mit der Humboldt Universität in Berlin, mit dem Deutschen Historischen Institut in Moskau und dem Französisch-Russichen Zentrum der Sozialwissenschaften in Moskau durchführte. Außerdem ist das Zentrum wissenschaftlicher Betreuer einer internationalen Diskussionsplattform, des Internet-Seminars zur russischen Geschichte, das zusammen mit der Universität Basel organisiert wird (www.isem.susu.ac.ru). Das Zentrum fungierte auch schon öfters als aufnehmende Instanz für Stipendiaten der Bosch-Stiftung und des DAADs und betreute wissenschaftliche Forschungsaufenthalte von Spezialisten zur russischen und sowjetischen Geschichte.

 

Die geplante Sommerschule wird die zweite Veranstaltung dieses Formats sein, die vom Zentrum organisiert wird. Das Programm sowie die Ergebnisse der ersten Sommerschule können auf der Homepage des Zentrums eingesehen werden.

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