Sommerschule 2015

Zentrum für Kulturgeschichte der Süduralische Universität (Tscheljabinsk, Russland)

in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Verwaltung und Wirtschaft des Südlichen Ural

und dem Landeskundlichen Museum Tscheljabinsk



veranstalten die



III Internationale Sommerschule

«Diktat des Gedenkens». Die Weltkriege im kulturellen Gedächtnis Russlands und Deutschlands

17. – 30. August 2015, Tscheljabinsk

Kursdauer/ Bewerbungsschluss

14 Tage (17. – 30. August 2015)

Anmeldeschluss: 31. Mai 2015

Anreise der Teilnehmer: 16. August 2015

Abreise der Teilnehmer: 31. August 2015

 

Zielgruppe

Studierende der Neueren und Neusten Geschichte, der Osteuropäischen Geschichte, der Modernen Europäischen Geschichte und der Globalgeschichte; Studierende der Sozialwissenschaften; Studierende der Kulturwissenschaften und Kunstwissenschaften

 Voraussetzungen

Forschungsinteresse bzw. Forschungsprojekt der Studierenden; wissenschaftliche Eignung; Grundkenntnisse der russischen Sprache erwünscht sind

 Bewerbungsunterlagen für Teilnahme

Lebenslauf

Fragebogen (siehe unten)

Kopie des Reisepasses

Exposé des eigenen Projekts (falls das eigene Projekt im Laufe der Sommerschule vorgestellt werden soll)

 Teilnehmerzahl

Maximum: 10

 Kosten

Die Kosten für die Teilnahme an der Sommerschule belaufen sich auf 620 Euro und decken den Transfer vom Flughafen, Sprachkurse, Vorlesungen, Seminare und Workshops wie auch ein umfassendes Exkursionsprogramm (Stadtführungen, Museen und Gemäldegalerie, thematische Exkursionen), sowie das Übungsbuch der Sommerschule). Diese Summe umfasst nicht die Kosten für die Anreise, Versicherung, Visabeschaffung und Verpflegung.

DAAD-Stipendium

Deutsche Studierende können sich im Rahmen des Go East- Sommerschulprogramms beim Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) um ein Stipendium bewerben. Das Stipendium setzt sich zusammen aus Pauschale zur Deckung der Aufenthaltskosten, Reisekostenzuschuss und Kursgebühren.

Weitere Informationen dazu finden Sie unter:

https://goeast.daad.de/de/25457/index.html

Das zweigleisige Bewerbungsverfahren sieht vor, dass Interessenten sich parallel bei der Sommerschule um eine Zulassung und beim DAAD um ein Stipendium bewerben

 Visum

Die Teilnehmer, die den Auswahlprozess erfolgreich durchlaufen haben, erhalten eine offizielle Einladung, mit der sie ein Visum bei den russischen Vertretungen in Deutschland beantragen können.

 Unterkunft und Verpflegung

Die Teilnehmer der Sommerschule werden im Studentenwohnheim (im Zentrum, neben dem Unihauptgebaeude). Die Verpflegung kann nach eigenem Geschmack organisiert werden. Dafür verfügt die Universität über zahlreiche Cafes und Mensen. Vegetarische Kost ist in jedem Menü vorgesehen. Die täglichen Ausgaben werden maximal 10-15 Euro ausmachen.

 Veranstaltungssprachen

Deutsch, Englisch, Russisch

Beschreibung zum Inhalt und zum Ablauf der Sommerschule 

Sprachkurs

Der Fokus des Sprachkurses liegt auf Sprachpraxis und fachgebundener Lexika. Der Sprachunterricht dauert täglich 2-3 Stunden.

 Fachkurs

              Kein Krieg endet mit dem Schweigen der Waffen: Die bewaffnete Konfrontation geht in einen neuen Kampf um die Erinnerung, um die öffentliche Wahrnehmung und Vermittlung des Kriegserlebnisses über. Dabei verändern diese Deutungskämpfe die Sicht auf den vergangenen Krieg oft massiv: Länder, die eine Niederlage erlitten hatten, können die Auseinandersetzung um die Interpretation des Krieges im kollektiven Gedächtnis gewinnen. Es scheint, als ob der derzeitige «Erinnerungsboom» rund um die Kriegsjubiläen darauf abzielen sollte, die Tragödien des letzten Jahrhunderts und die Wunden des «Zeitalters der Extreme» zu heilen. Jedoch führen die derzeitige Situation der bewaffneten Auseinandersetzungen in der Ukraine und die globalpolitische Situation zu einer scharfen Nationalisierung der Erinnerungsmuster und zu einer Ausdifferenzierung des kulturellen Gedächtnisses an die Weltkriege.

              Vermutlich werden die russischen Feierlichkeiten zum 70. Jahrestag des Kriegsendes im kommenden Jahr einen Höhepunkt der Weltkriegsjubiläen darstellen, der die bevorstehenden staatlichen und gesellschaftlichen Erinnerungs-Veranstaltungen des öffentlichen Raums und der Museen bestimmen wird. Diese Deutungshoheit steht im Widerspruch zu den wissenschaftlich entwickelten Prognosen über die Erinnerungsformen in den europäischen Staaten, die von der Vorstellung über die Entstehung eines gemeinsamen europäischen Erinnerungsraum ausgingen, und fordert somit nachdrücklich eine wissenschaftliche Reflexion.

            Die geplante Sommerschule ist der Untersuchung von Differenzen in den heutigen Erinnerungspraktiken an die Weltkriege gewidmet. Das Sterben der Zeitzeugen stellt eine große Veränderung des kollektiven Gedächtnisses dar, denn das Wegfallen der unmittelbaren Erfahrungsträger bedeutet auch den Verlust einer transgenerationalen Kommunikation. Die heutige Geschichtswissenschaft stützt sich auf die These von Pierre Nora über die Verdrängung der Geschichte durch das Gedächtnis und weist auf die Etablierung des sogenannten «postheroischen Paradigmes des Gedächtnisses» in den europäischen Gesellschaften hin. Damit wird die Aufmerksamkeit der Wissenschaftler und der Öffentlichkeit von den Helden auf die Opfer gerichtet und auf diese Weise die Gestaltung des öffentlichen Erinnerungsraums (Ausstellungen, Gedenkstätten, Feiertage) beeinflusst. In Russland hingegen entwickelte sich die Erinnerungspolitik beständig in den Bahnen der Kriegsglorifizierung, die die Alltagsgeschichte ausspart, die unmenschlichen Dimensionen des Kriegs und das Leiden der Zivilbevölkerung verschweigt und weiterhin einen militaristischen Diskurs wiedergibt. Die Teilnehmer der Sommerschule erarbeiten mittels aktueller Ausstellungs- und Gedenkstättenprojekte die spezifischen Funktionsweisen der Veränderung des kulturellen Gedächtnisses. Dabei werden einerseits der Einfluss der erinnerungspolitischen Konjunkturen auf die Art und Weise der Repräsentation von Kriegserfahrung in den Gedenktagen in Deutschland und Russland und andererseits die transgenerationellen Aspekte der kommemorativen Praktiken untersucht. Zudem werden Inszenierungsstrategien von Gedenkräumen analysiert sowie moderne Ansätze der Kriegsmusealisierung unter den Bedingungen der «Diktatur der Jubiläen» (Kuznecov A., Maslov A.) hinterfragt.

              Zur Teilnahme an der Sommerschule sind Bachelor-Studenten (ab dem vierten Semester) und Masterstudenten eingeladen. Zusätzlich können Doktoranden teilnehmen, die sich auf die russische bzw. deutsche Geschichte spezialisiert haben und sich für die Problematik der Weltkriege, der Erinnerungsgeschichte und ihrer Vergleiche interessieren. Die Besucher der Sommerschule stellen ihre Projekte vor und diskutieren diese mit den anderen Teilnehmern und Professoren. Die Sommerschule besteht zudem aus drei thematischen Modulen, in denen jeweils unterschiedliche Methoden der Vermittlung von Wissen und Arbeitstechniken vorgestellt werden.

1. «Formen der Erinnerung an die Weltkriege: Theoretische Grundlagen»

Vorlesungen zu der Problematik von Geschichtspolitik, dem kollektiven Gedächtnis, sowie den Konzepten von Erinnerung vermitteln den Teilnehmern die theoretischen Grundlagen, die in praxisorientierten Unterrichtseinheiten auf konkrete Beispiele (öffentliche Auftritte von Politikern, gesetzliche Grundlagen der Gedächtnispolitik, sowie die Auswertung von Videoreportagen der Jubiläumsfeierlichkeiten), angewendet werden sollen.

2. «Die Musealisierung der Weltkriege in Russland und in Deutschland»

Museen üben als Bewahrer und Beschützer kultureller Erinnerung mit Methoden der Visualisierung, Deutung und Präsentation ausgewählter historischer Phänomene großen Einfluss auf die Erinnerung aus. Indem sie Wissen speichern, sammeln und vermitteln sind sie zugleich ein Abbild der Gegenwartsvorstellungen und -deutungen. Der deutsche Kulturwissenschaftler Thomas Thiemeyer charakterisierte die Rolle des Museums bei der Repräsentation von bewaffneten Konflikten als «Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln». Auf der Grundlage von russischen und deutschen Ausstellungsprojekten, die anlässlich des 100-jährigen Ausbruchs des Ersten Weltkriegs und des 70-jährigen Endes des Zweiten Weltkriegs konzipiert wurden und werden, analysieren die Teilnehmer die Transformationsprozesse der kulturellen Erinnerung, die wechselseitige Beeinflussung der Geschichtswissenschaft und der musealen Ausstellungsprojekte sowie die interaktiven und multimedialen Inszenierungen von Krieg im Museum. Sie fragen nach den Kontinuitäten und Brüchen in der musealen Darstellung von Kriegserfahrung und der Rolle der Jubiläen in diesem Prozess.

3. «Moderne öffentliche Räume der Weltkriegserinnerung»

In der Regel tritt die staatliche Erinnerungspolitik an Gedenktagen in den Vordergrund. Diese offizielle Deutung gleicht hierbei einem Katalysator, der die Prozesse der Identitätsstiftung verschiedener sozialer Gruppen und ihre Aufrechterhaltung befördert. Die Begründung und die Pflege öffentlicher Erinnerungsorte stellen sowohl den Ursprung von Konflikten als auch das Ergebnis der Aushandlung von Kompromissen des Staats mit verschiedenen Erinnerungsgemeinschaften dar. Anhand der Untersuchung von Erinnerungsorten, und unter Einbezug ihrer kommemorativen Praktiken (Festreden, Kundgebungen, Hochzeitsfeierlichkeiten) identifizieren die Teilnehmer Richtungswechsel und Tendenzen im kulturellen Gedächtnis, um auf diese Weise Formen der Umdeutung zu untersuchen und die normativen Vorschriften und Bedeutungen der bereits existierenden und der neu entstehenden Symbolik zu verstehen.

              Unter dem Eindruck sehr guten Erfahrungen folgt die Tscheljabinsker Sommerschule dem Primat interaktiver und offener Lehrmethoden. Die Organisatoren stellen sich der Aufgabe, die Sommerschule in eine Diskussionsplattform für aktuelle wissenschaftliche Probleme zu verwandeln. Die Arbeit wird in Kleingruppen organisiert sein, wobei selbstständig erarbeitete Forschungsvorhaben und Projekte im Vordergrund stehen, die von den Veranstalterinnen und Veranstaltern unterstützt werden. Die Kooperation zwischen den russischen und den aus dem Ausland angereisten Studierenden wird angeregt und unterstützt werden. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben die Möglichkeit, sich mit den Museen und Denkmälern Tscheljabinsks, Nižnij Tagils und Jekaterinburgs vertraut zu machen. Gleichzeitig analysieren sie Ausstellungen, alte und neue Kriegsdenkmäler, Auftritte von Politikern und Aktivisten auf der theoretischen Ebene. Zu Beginn der Sommerschule werden die Teilnehmer einen umfassenden Reader (mit wichtigen Texten auf Deutsch, Englisch und Russisch) zu den einzelnen Themenbereichen erhalten. Die teilnehmenden Studenten bilden Arbeitsgruppen (drei bis vier Personen pro Gruppe) und entwickeln ein gemeinsames Forschungsprojekt, das sie am Ende der Sommerschule in einem eintägigen Abschlussworkshop vorstellen. Alternativ besteht die Möglichkeit, ein individuelles wissenschaftliches Projekt zu bearbeiten, das thematisch in den Rahmen der Sommerschule passt. Jede Arbeitsgruppe erforscht eine bestimmte Fragestellung zu den gegenwärtigen Erinnerungs-Praktiken an das Weltkriegsgedenken. Die Studierenden können dabei auf reichhaltige, historiographische Quellen (Museen, Denkmäler, Zeitzeugengespräche) zurückgreifen.

Kulturprogramm

In einem umfangreichen kulturellen Rahmenprogramm können die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Sommerschule die Stadt Tscheljabinsk erkunden, ihre verschiedenen Museen besichtigen, einige Nachbarstädte und Dörfer der Umgebung besuchen und auf einer Exkursion die Landschaft des Südurals erkunden. 

 Veranstalter

Das Zentrum für Kulturgeschichte verfügt über viel Erfahrung in der regelmäßigen Durchführung von internationalen wissenschaftlichen Konferenzen in Tscheljabinsk und Moskau, auf denen aktuelle Themen zur russischen Wissenschaft und Gesellschaft diskutiert werden, sowie von Seminaren und Meisterklassen für Studenten. Einige der letzten großen Veranstaltungen in diesem Rahmen waren Konferenzen, die sich mit dem historischen Gedächtnis, der Kriegserfahrung des 20. Jahrhunderts und der Rolle visueller Bilder und Gerüchte in der Neueren und Neusten Geschichte befassten. Diese Foren fanden spürbare Resonanz in den Medien und in der wissenschaftlichen Öffentlichkeit, und ihre Ergebnisse wurden in thematischen Sammelbänden veröffentlicht, die auch Eingang fanden in die größten öffentlichen Büchereien und Universitätsbibliotheken der Welt.

Das Zentrum kann erfolgreiche Projekte aufweisen, die es gemeinsam mit der Humboldt Universität in Berlin, mit dem Deutschen Historischen Institut in Moskau und dem Französisch-Russichen Zentrum der Sozialwissenschaften in Moskau durchführte. Außerdem ist das Zentrum wissenschaftlicher Betreuer einer internationalen Diskussionsplattform, des Internet-Seminars zur russischen Geschichte, das zusammen mit der Universität Basel organisiert wird (isem.susu.ac.ru). Das Zentrum fungierte auch schon öfters als aufnehmende Instanz für Stipendiaten der Bosch-Stiftung und des DAADs und betreute wissenschaftliche Forschungsaufenthalte von Spezialisten zur russischen und sowjetischen Geschichte.

               Kontakt

Dr. Olga Nikonova

Zentrum für Kulturgeschichte,

Tel. +7 (922)2314892

Email:   Этот адрес электронной почты защищен от спам-ботов. У вас должен быть включен JavaScript для просмотра.

 

 

Die geplante Sommerschule wird die zweite Veranstaltung dieses Formats sein, die vom Zentrum organisiert wird. Das Programm sowie die Ergebnisse der ersten und der zweiten Sommerschule und Feedback von Teilnehmern können auf der Homepage des Zentrums eingesehen werden:http://culthist.ru/index.php/obrazovatelnaya-deyatelnost/sommerschule-2012http://culthist.ru/index.php/obrazovatelnaya-deyatelnost/sum-school1/inf-let-school

 

 

Fragebogen

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